Gedichte nach Autoren mit dem Anfangsbuchstaben 'b':

Rudolf Baumbach - Die Gäste der Buche
MietegÀste vier im Haus
Hat die alte Buche.
Tief im Keller wohnt die Maus,
Nagt am Hungertuche.

Stolz auf seinen roten Rock
Und gesparten Samen
sitzt ein Protz im ersten Stock;
Eichhorn ist sein Namen.

Weiter oben hat der Specht
Seine Werkstatt liegen,
Hackt und zimmert kunstgerecht,
Daß die SpĂ€ne fliegen.

Auf dem Wipfel im GeÀst
Pfeift ein winzig kleiner
Musikante froh im Nest.
Miete zahlt nicht einer.

August Ferdinand Bernhardi - Der Löwe in Florenz
"Der Löw’ ist los! Der Löw ist frei!
Die ehernen Bande riß er entzwei!-
ZurĂŒck, daß ihr den vergeblichen Mut
Nicht schrecklich bĂŒĂŸet im eigenen Blut!"

Und jeder suchet mit scheuer Eil’
In des Hauses Innern Schutz und Heil;

Auf Markt und Straßen rund umher
Ward’s plötzlich still und menschenleer.

Ein Kindlein nur, sein unbewußt,
Verloren in des Spieles Lust,
Fern von der sorglichen Mutter Hand,
Saß auf dem Markt am Brunnenrand.

Wohl viele sahen von oben herab
Sie schauten geöffnet des Kindleins Grab;

Sie rangen die HĂ€nde und weinten sehr
Und blickten zagend nach Hilf’ umher.

Doch keiner wagt das eigene Leben
Um des fremden willen dahinzugeben;
Denn schon verkĂŒndet ein nahes GebrĂŒll
Das Verderben, das jegliches meiden will.

Und schon mit rollender Augen Glut
Erlechzt der Löwe des Kindleins Blut,
Ja, schon erhebt er die grimmige Klau'n
O qualvoll, herzzerreißend zu schau'n!

So rettet nichts das zarte Leben,
Dem grĂ€ĂŸlichsten Tode dahingegeben?
Da plötzlich stĂŒrzt aus einem Haus
Mit fliegenden Haaren ein Weib heraus.

"Um Gottes Willen, o Weib, halt ein!
Willst du dich selbst dem Verderben weih'n?
UnglĂŒckliche Mutter, zurĂŒck den Schritt!
Du kannst nicht retten, du stirbst nur mit!"

Doch furchtlos fÀllt sie den Löwen an,
Und aus dem Rachen mit scharfem Zahn
Nimmt sie - das unversehrte Kind -
In ihren rettenden Arm geschwind.

Der Löwe stutzet, und unverweilt
Mit dem Kinde die Mutter von dannen eilt.

Da erkannte gerĂŒhrt so jung wie alt
Des Mutterherzens Allgewalt
Und des Leuen großmĂŒtigen Sinn zugleich;
Doch manche Mutter von Schrecken bleich
Sprach still: "Um des eigenen Kindes Leben
HĂ€tt’ ich auch meines dahingegeben."

Clemens Brentano - Brautgesang
Komm heraus, komm heraus, o du schöne, schöne Braut,
Deine guten Tage sind nun alle, alle aus.
Dein Schleierlein weht so feucht und trÀnenschwer,
Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr!
Mußt die MĂ€gdlein lassen stehn,
Mußt nun zu den Frauen gehn.

Lege an, lege an heut auf kurze, kurze Zeit
Dein Seidenröslein, dein reiches Brautgeschmeid.
Dein Schleierlein weht so feucht und trÀnenschwer,
Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr!
Mußt die Zöpflein schließen ein
Unterm goldnen HĂ€ubelein.

Lache nicht, lache nicht, deine Gold- und Perlenschuh
Werden dich schön drĂŒcken, sind eng genug dazu.
Dein Schleierlein weht so feucht und trÀnenschwer,
Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr!
Wenn die andern tanzen gehn,
Mußt du bei der Wiege stehn.

Winke nur, winke nur, sind gar leichte, leichte Wink'
Bis den Finger drĂŒcket der goldne Treuering.
Dein Schleierlein weht so feucht und trÀnenschwer,
Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr!
Ringlein sehn heute lieblich aus,
Morgen werden Fesseln draus.

Springe heut, springe heut deinen letzten, letzten Tanz.
Welken erst die Rosen, stechen Dornen in dem Kranz.
Dein Schleierlein weht so feucht und trÀnenschwer,
Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr!
Mußt die BlĂŒmlein lassen stehn,
Mußt nun auf den Acker gehn.

Barthold Hinrich Brockes - Die Traubenhyazinthe
Angenehmes FrĂŒhlingskindchen,
Kleines Taubenhyazinthchen,
Deiner Farb und Bildung Zier
Zeiget mit Verwunderung mir
Von der bildenden Natur
eine neue Schönheitsspur.
An des Stengels blauer Spitzen
Sieht man, wenn man billig sieht,
Deiner sonderbaren BlĂŒt
Kleine blaue Kugeln sitzen,
Dran, so lange sich ihr Blatt
Noch nicht aufgeschlossen hat,
Wie ein Purpurstern sie schmĂŒcket,
Man nicht sonder Lust erblicket.
Aber wie von ungefÀhr
Meine Blicke hin und her
Auf die offnen Blumen liefen,
Konnt ich in den blauen Tiefen
Wie aus himmelblauen Höhen
Silberweiße Sternchen sehen,
Die in einer blauen Nacht,
So sie rings bedeckt, im Dunkeln
Mit dadurch erhöhter Pracht
Noch um desto heller funkeln.
Ihr so zierliches GeprÀnge,
Ihre Nettigkeit und Menge,
Die die blauen Tiefen fĂŒllt,
Schiene mir des Himmels Bild,
Welches meine Seele rĂŒhrte
Und durch dieser Sternen Schein,
Die so zierlich, rein und klein,
Mich zum Herrn der Sterne fĂŒhrte,
Dessen unumschrÀnkte Macht
aller Himmel tiefe Meere,
Aller Welt- und Sonnen Heere
Durch ein Wort hervorgebracht;
Dem es ja so leicht, die Pracht
In den himmlischen Gefilden
Als die Sternchen hier zu bilden.
Durch dein sternenförmig Wesen
Gibst du mir, beliebte Blume,
ein’ Erinnerung zu lesen,
Dass wir seiner nicht vergessen,
Sondern in den schönen Werken
Seine Gegenwart bemerken,
Seine weise Macht ermessen
Und sie wie in jenen Höhen
So auf Erden auch zu sehen.

Gottfried August Bürger - Die Schatzgräber
Ein Winzer,der am Tode lag,
rief seine Kinder an und sprach:
"In unserm Weinberg liegt ein Schatz,
grabt nur danach!"-"An welchem Platz?"
schrie alles laut den Vater an.
"Grabt nur!" O weh! da starb der Mann.
Kaum war der Alte beigeschafft,
so grub man nach aus Leibeskraft.
Mit Hacke, Karst und Sparten ward
der Weinberg um und um geschart.
Da war kein Kloß,der ruhig blieb;
man warf die Erde gar durchs Sieb
und zog die Harken kreuz und quer
nach jedem Steinchen hin und her
Allein, da ward kein Schatz verspĂŒrt,
und jeder hielt sich angefĂŒhrt.
Doch kaum erschien das nÀchste Jahr,
so nahm man mit Erstaunen war,
daß jede Rebe dreifach trug.
Da wurden erst die Söhne klug
und gruben nun jahrein, jahraus
des Schatzes immer mehr heraus.

Gottfried August Bürger - Lied
Du mit dem FrĂŒhlingsangesichte,
Du schönes, blondes Himmelskind,
An deiner Anmut Rosenlichte
Sieht sich mein Auge noch halb blind!

Nach etwas durst ich lang im stillen,
Nach einem Labekuß von dir,
Den gib mir nur mit gutem Willen,
Sonst nehm ich rasch ihn selber mir!

Und sollte dich der Raub verdrießen,
So geb ich gern den Augenblick,
Die Schuld des Frevels abzubĂŒĂŸen,
Ihn hundertfĂ€ltig dir zurĂŒck.

Wilhelm Busch - Das Brot
Er saß beim FrĂŒhstĂŒck Ă€ußerst grĂ€mlich,
Da sprach ein KrĂŒmchen Brot vernehmlich:
"Aha, so ist es mit dem Orden
FĂŒr diesmal wieder nichts geworden.
Ja, Freund, wer seinen Blick erweitert
Und schaut nach hinten und nach vorn,
Der preist den Kummer, der ihn lÀutert.
Ich selber war ein Weizenkorn.
Mit vielen, die mir anverwandt,
lag ich im lauen Ackerland.
BedrĂŒckt von einem Erdenkloß,
macht' ich mich mutig strebend los.
Gleich kam ein alter Has gehupft
und hat mich an der Nas gezupft,
und als es Winter ward, verfror,
was peinlich ist, mein linkes Ohr,
und als ich reif mit meiner Sippe,
o weh, da hat mit seiner Hippe
der Hans uns rundweg abgesÀbelt
und zum Ersticken festgeknebelt
und auf die Tenne fortgeschafft,
wo ihrer vier mit voller Kraft
im regelrechten Flegeltakte
uns klopften, daß die Scharte knackte!
Ein Esel trug uns in die MĂŒhle.
Ich sage dir, das sind GefĂŒhle,
wenn man, zerrieben und gedrillt
zum allerfeinsten Staubgebild',
sich kaum besinnt und fast vergißt,
ob Sonntag oder Montag ist.
Und schließlich schob der BĂ€ckermeister,
nachdem wir erst als zÀher Kleister
in seinem Troge baß gehudelt,
vermengt, geknebelt und vernudelt,
uns in des Ofens höchste Glut.
Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?
Frischauf, du hast genug, mein Lieber,
greif zu und schneide nicht zu knapp
und streiche tĂŒchtig Butter drĂŒber
und gib den andern auch was ab !

Wilhelm Busch - Der Sack und die Mäuse
Ein dicker Sack voll Weizen stand
Auf einem Speicher an der Wand. -
Da kam das schlaue Volk der MĂ€use
Und pfiff ihn an in dieser Weise:
"Oh, du da in der Ecke,
GroßmĂ€chtigster der SĂ€cke!
Du bist ja der Gescheitste,
Der dickste und der Breitste!
Respekt und Referenz
Vor eurer Exzellenz!"
Mit innigem Behagen hört
Der Sack, daß man ihn so verehrt.
Ein MĂ€uslein hat ihm unterdessen
Ganz unbemerkt ein Loch gefressen.
Es rinnt das Korn in leisem Lauf.
Die MĂ€use knuspern's emsig auf.
Schon wird er faltig, krumm und matt.
Die MĂ€use werden fett und glatt.
Zuletzt, man kennt ihn kaum noch mehr,
Ist er kaputt und hohl und leer.
Erst ziehn sie ihn von seinem Thron;
Ein jedes MĂ€uslein spricht ihm hohn;
Und jedes, wie es geht, so spricht's:
"Empfehle mich, Herr Habenichts!"

Wilhelm Busch - Es sitzt ein Vogel auf dem Leim...
Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
Die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
Kommt er dem armen Vogel nÀher.

Der Vogel denkt: Weil das so ist
Und weil mich doch der Kater frißt,
So will ich keine Zeit verlieren,
Will noch ein wenig quinquilieren
Und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor...

Wilhelm Busch - Fink und Frosch
Im Apfelbaume pfeift der Fink
Sein: pinkepink!
Ein Laubfrosch klettert mĂŒhsam nach
Bis auf des Baumes BlÀtterdach
Und blÀht sich auf und quackt: »Ja, ja!
Herr Nachbar, ick bin och noch da!«

Und wie der Vogel frisch und sĂŒĂŸ
Sein FrĂŒhlingslied erklingen ließ,
Gleich muß der Frosch in rauhen Tönen
Den Schusterbaß dazwischen dröhnen.

»Juchheija, heija!« spricht der Fink.
»Fort flieg ich flink!«
Und schwingt sich in die LĂŒfte hoch.

»Wat!« ruft der Frosch, »dat kann ick och!«
Macht einen ungeschickten Satz,
FĂ€llt auf den harten Gartenplatz,
Ist platt, wie man die Kuchen backt,
Und hat fĂŒr ewig ausgequackt.

Wenn einer, der mit MĂŒhe kaum
Geklettert ist auf einen Baum,
Schon meint, daß er ein Vogel wĂ€r,
So irrt sich der.

Wilhelm Busch - summa summarum
Sag, wie wÀr es, alter Schragen,
Wenn du mal die Brille putztest,
Um ein wenig nachzuschlagen,
Wie du deine Zeit benutztest.

Oft wohl hÀtten dich so gerne
Weiche Arme weich gebettet;
Doch du standest kĂŒhl von ferne,
Unbewegt, wie angekettet.

Oft wohl kam's, daß du die schöne
Zeit vergrimmtest und vergrolltest,
Nur weil diese oder jene
Nicht gewollt, so wie du wolltest.

Demnach hast du dich vergebens
Meistenteils herumgetrieben;
Denn die Summe unsres Lebens
Sind die Stunden, wo wir lieben.

Wilhelm Busch - Hund und Katze
Miezel, eine schlaue Katze,
Molly, ein begabter Hund,
Wohnhaft an demselben Platze,
Haßten sich aus Herzensgrund.

Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
Bei gestrÀubter Haarfrisur,
Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
Ist von Liebe keine Spur.

Doch wenn Miezel in dem Baume,
Wo sie meistens hin entwich,
Friedlich dasitzt, wie im Traume,
Dann ist Molly außer sich.

Beide lebten in der Scheune,
Die gefĂŒllt mit frischem Heu.
Alle beide hatten Kleine,
Molly zwei und Miezel drei.

Einst zur Jagd ging Miezel wieder
Auf das Feld. Da geht es bumm.
Der Herr Förster schoß sie nieder.
Ihre Lebenszeit ist um.

Oh, wie jÀmmerlich miauen
Die drei Kinderchen daheim.
Molly eilt, sie zu beschauen,
Und ihr Herz geht aus dem Leim.

Und sie trÀgt sie kurz entschlossen
Zu der eignen Lagerstatt,
Wo sie nunmehr fĂŒnf Genossen
An der Brust zu Gaste hat.

Mensch mit traurigem Gesichte,
Sprich nicht nur von Leid und Streit.
Selbst in Brehms Naturgeschichte
Findet sich Barmherzigkeit.

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