Gedichte nach Autoren mit dem Anfangsbuchstaben 'l':

Nikolaus Lenau - An den Wind
Ich wandre fort ins ferne Land;
Noch einmal blickt' ich um , bewegt,
Und sah, wie sie den Mund geregt
Und wie gewinket ihre Hand.

Wohl rief sie noch ein freundlich Wort
Mir nach auf meinem trüben Gang,
Doch hört ich nicht den liebsten Klang,
Weil ihn der Wind getragen fort.

Daß ich mein Glück verlassen muß,
du rauher; kalter Windeshauch,
Ist's nicht genug, daß du mir auch
Entreißest ihren letzten Gruß?

Nikolaus Lenau - Herbst
Rings ein Verstummen, ein Entfärben:
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
Ich liebe dieses milde Sterben.

Von hinnen geht die stille Reise,
Die Zeit der Liebe ist verklungen,
Die Vögel haben ausgesungen,
Und dürre Blätter sinken leise.

Die Vögel zogen nach dem Süden,
Aus dem Verfall des Laubes tauchen
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
Die Blätter fallen stets, die müden.

In dieses Waldes leisem Rauschen
Ist mir als hör' ich Kunde wehen,
daß alles Sterben und Vergehen
Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.

Gotthold Ephraim Lessing - Die Biene
Als Amor in den goldnen Zeiten
Verliebt in Schäferlustbarkeiten
Auf bunten Blumenfeldern lief,
Da stach den kleinsten von den Göttern
Eine Biene, das in Rosenblättern,
Wo es sonst Honig holte, schlief.

Durch diesen Stich ward Amor klüger.
Der unerschöpfliche Betrüger
Sann einer neuen Kriegslist nach:
Er lauscht in Rosen und Violen;
Und kam ein Mädchen sie zu holen,
Flog er als Bien heraus, und stach.

Alfred Lichtenstein - Die Nacht
Verträumte Polizisten watscheln bei Laternen.
Zerbrochne Bettler meckern, wenn sie Leute ahnen.
An manchen Ecken stottern starke Straßenbahnen,
Und sanfte Autodroschken fallen zu den Sternen.

Um harte Häuser humpeln Huren hin und wieder,
Die melancholisch ihren reifen Hintern schwingen.
Viel Himmel liegt zertrümmert auf den herben Dingen ...
Wehleidge Kater schreien schmerzhaft helle Lieder.

Detlev von Liliencron - Herbst
Astern blühen schon im Garten;
Schwächer trifft der Sonnenpfeil
Blumen die den Tod erwarten
Durch des Frostes Henkerbeil.

Brauner dunkelt längst die Haide,
Blätter zittern durch die Luft.
Und es liegen Wald und Weide
Unbewegt im blauen Duft.

Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
Welke Rosen, reife Frucht.

Hermann Löns - Im Müntergrunde
Durstigsüße Liebesgrüße
Murmelt träumerisch das Ried,
Und der düstern Tannen Flüstern
Klinget wie ein Liebeslied.

Liebe Kleine, lege Deine
Weiße Hand auf meine Stirn,
Daß die kranken Schmerzgedanken
Fortgebrannt von dannen schwirr'n.

Laß mich lauschen bei dem Rauschen
Weißer Blätter Deinem Lied,
Deine Lieder hauchen wieder
Süßen Trost in mein Gemüt.

Deine Lieder haben wieder
Alle Schwermut fortgebrannt -
Liebeswarme, weiche Arme,
Haltet immer mich umspannt.

Deiner dunkeln Augen Funkeln
Macht mein krankes Herz gesund,
Alle Schmerzen in dem Herzen
Heilt Dein süßer, roter Mund.

Rudolf Löwenstein - Wie hoch kann wohl der Himmel sein
Wie hoch kann wohl der Himmel sein?
Das will ich gleich dir sagen:
Wenn du schnell wie ein Vögelein
Die Flügel könntest schlagen
Und flögest auf und immer auf
In jene blaue Ferne
Und kämest endlich gar hinauf
Zu einem schönen Sterne
Und fragtest dort ein Engelein:
"Wie hoch mag wohl der Himmel sein?"
Dann sei gewiß, das Englein spricht:
"Mein Kind, das weiß ich selber nicht;
Doch frag' einmal da drüben an,
Ob jener Stern Dir's sagen kann!

Du brauchst indes nicht sehr zu eilen,
Es sind nur hunderttausend Meilen."
Und flögst du nun zum Sternlein dort,
Man sagt dir doch dasselbe Wort,
Und flögst du weiter fort und fort,
Von Stern zu Stern, von Ort zu Ort:
Es weiß doch niemand dir zu sagen,
Du wirst doch stets vergeblich fragen:
"Wie hoch mag wohl der Himmel sein?"
Denn, Kind, das weiß nur Gott allein!

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