Gedichte nach Autoren mit dem Anfangsbuchstaben 'p':

August Graf von Platen - Aus Tristan und Isolde
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ist dem Tode schon anheim gegeben,
Wird für keinen Dienst auf Erden taugen,
Und doch wird er vor dem Tode beben,
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen.

Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe,
Denn ein Thor nur kann auf Erden hoffen,
Zu genügen einem solchen Triebe.
Wen der Pfeil des Schönen je getroffen,
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe!

Was er wünscht, das ist ihm nie geworden,
Und die Stunden, die das Leben spinnen,
Sind nur Mörder, die gemach ihn morden:
Was er will, das wird er nie gewinnen,
Was er wünscht, das ist ihm nie geworden.

Ach, er möchte wie ein Quell versiechen,
Jedem Hauch der Luft ein Gift entsaugen
Und den Tod aus jeder Blume riechen:
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen!

August Graf von Platen - Das Grab im Busento
Nächtlich am Busento lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder.
Aus den Wassern schallt es Antwort, in den Wirbeln klingt es wider.

Und den Fluss hinauf, hinunter zieh´n die Schatten tapfrer Goten,
Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten.

Allzu früh und fern der Heimat mussten sie ihn hier begraben,
Während noch die Jugendlocken seine Schultern blond umgaben.

Und am Ufer des Busento reihten sie sich um die Wette.
Um die Strömung abzuleiten gruben sie ein frisches Bette.

In der wogenleeren Höhlung wühlten sie empor die Erde,
Senkten tief hinein den Leichnam mit der Rüstung auf dem Pferde.

Deckten dann mit Erde wieder ihn und seine stolze Habe,
Dass die hohen Stromgewächse wüchsen aus dem Heldengrabe.

Abgelenkt zum zweiten Male, ward der Fluss herbeigezogen.
Mächtig in ihr altes Bette schäumten die Busentowogen.

Und es sang ein Chor von Männern "Schlaf in deinen Heldenehren!
Keines Römers schnöde Habsucht soll dir je dein Grab versehren!"

Sangen´s, und die Lobgesänge tönten fort im Gotenheere.
Wälze sie, Busentowelle, wälze sie von Meer zu Meere!

Franz Poppe - Blumen in der Schule
In dumpfer Schule sitzen kleine Mädchen;
da draußen lacht der Frühling, weit und breit;
die Vögel singen und die Blumen blühen,
die Erd’ ist eine Braut im Hochzeitskleid.

O Frühling, mit den grünen Rebensprossen
schlägst du ans Fenster, und dein Sonnenschein,
er spielt im Schulstaub; doch du pochst vergebens,
nur leise ruft das Kinderherz: Herein!

Und dennoch weißt du heimlich einzuschleichen:
Ein Wohlgeruch weht durch die schwüle Luft,
als käme er von Veilchen und Narzissen,
als wär’s von Birkenlaub ein frischer Duft.

Die Kinder haben dich hereingetragen
in Blumensträußen, heimlich, ungesehn;
die liegen duftend unterm staub’gen Tische;
liebst du die Kinder, laß es still geschehn!

O, dulde Blumen in den dunklen Räumen,
weis’ ihnen nicht die Tür mit barschem Wort!
Wenn Du die Blumen aus der Schule weisest,
treibst du die Liebe und den Frühling fort.

Des Kindes Herz ist auch wie eine Blume;
es sehnt sich nach des Frühlings Sonnenschein.
Soll es erblühn, der Welt und Gott zur Freude,
so muß das Lehrerherz die Sonne sein.

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