Gedichte nach Autoren mit dem Anfangsbuchstaben 's':

Ferdinand von Saar - Alter
Das aber ist des Alters Schöne,
dass es die Saiten reiner stimmt,
dass es der Lust die grellen Töne,
dem Schmerz den herbsten Stachel nimmt.

Ermessen lässt sich und verstehen
die eigne mit der fremden Schuld,
und wie auch rings die Dinge gehen,
du lernst dich fassen in Geduld.

Die Ruhe kommt erfüllten Strebens,
es schwindet des Verfehlten Pein –
und also wird der Rest des Lebens
ein sanftes Rückerinnern sein.

Johann Gaudenz von Salis-Seewis - Herbstlied
Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.

Wie die volle Traube
aus dem Regenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt.

Flinke Träger springen,
und die Mädchen singen,
alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.

Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und im Mondesglanz;
junge Winzerinnen
winken und beginnen
frohen Erntetanz.

Hugo Salus - Die Stufe
Ich bin eine Stufe, die aufwärts führt,
Darüber der Priester zum Tempel schreitet;
Und bin eine Stufe, die abwärts führt,
Darüber sein Purpurmantel gleitet.

Ich bin aus Marmor, weiß und rein,
Und höre oft meine Schönheit loben
Und weiß, aus dem gleichen Marmorstein
Ist auch der ewige Tempel da oben.

Und daß ich’s weiß ohne Sehnsucht und Neid,
Das ist mein Glück und ist mein Leid!

Adolf Friedrich von Schack - Der kleine Franz
Zarter Knabe, der du bang
sonst im Finstern zagtest,
sprich, wie du den großen Gesang
durch das Dunkel wagtest,
wagtest, in den Schlund, davor
alle zitternd stehen,
durch das schwarzverhängte Tor,
so allein zu gehen?

Seit dem letzten Sonnenstrahl
o wie weit die Reise!
Weiter, weiter tausendmal,
als vom Kind zum Greise!
Jüngst erst auf der Mutter Schoß,
ihr am Busen lagst du,
nun die Größten riesengroß,
plötzlich überragst du.

Paul Scheerbart - Dahin!
Singe nicht so hell und laut,
Da ich wieder einsam bin!
Ach, fühlst Du nicht, worüber
Ich trüber werde?

Lache nicht so toll und dumm,
Da ich ernst und anders bin!
Nein, weißt Du nicht, worüber
Ich trüber werde?

Frage nicht so klug und hart!
Das hat Alles keinen Sinn!
Was? Ahnst Du nicht, worüber
Ich trüber werde?

Sieh' ich liebe Dich nicht mehr,
All meine Lieben ist dahin!
Begreifst Du jetzt, worüber
Ich trüber werde?

Paul Scheerbart - Die Wiese der Lust
Über die weite Wiese der Lust
Wandelt zaghaft mein bester Freund.
Was ich Gutes von Ihm gewußt,
Vergaß ich, als ich ihn da sah.

Über der weiten Wiese der Lust
Schwebt ein häßliches Ungethüm.
Was ich greifbar an dem erkannt,
Verschwamm mir, als ich ihn da sah.

Auf jene weite Wiese der Lust
Lauf' ich plötzlich dem Freunde nach.
Was Er Gutes von Mir gewußt,
Vergaß Er, als Er Mich da sah.

Auf jener weiten Wiese der Lust
Läuft ein Freund mit dem Andern fort.
Wer die Freundschaft in uns erkannt,
Bestritt, daß er den Kern da sah.

Paul Scheerbart - Gesang der Wale
Nun schwimmen wir wieder ohne Begehren,
Wir ahnen der Welten Sehnsuchtsziel -
Und wollen uns Garnichts weiter erklären,
Wir bleiben beim großen Ahnungsspiel.
Und tun wir auch vielen Skorpionen leid,
Wir sind doch die Weisen - im Narrenkleid.

Wo du auch hinüberfliehst,
Niemals kommst Du an das letzte Ziel!
Preise jede Welt und auch die Sterne.
Alles, was du hier so siehst,
Ist ja nur ein feines Lichterspiel,
Eine große Wunderweltlaterne.

Friedrich von Schiller - Der Jüngling am Bache
An der Quelle saß der Knabe,
Blumen band er sich zum Kranz,
und er sah sie fortgerissen,
treiben in der Wellen Tanz!
"Und so fliehen meine Tage
wie die Quelle rastlos hin!
Und so schwindet meine Jugend,
wie die Kränze schnell verblühn.

Fraget nicht, warum ich traure
in des Lebens Blütenzeit!
Alles reget sich und hoffet,
wenn der Frühling sich erneut.
Aber diese tausend Stimmen
der erwachenden Natur
wecken in dem tiefen Busen
mir den schweren Kummer nur.

Was kann mir die Freude frommen,
die der schöne Lenz mir beut?
Eine nur ist’s, die ich suche,
sie ist nah und ewig weit.
Meine Arme breit ich sehnend
nach dem teuren Schattenbild,
ach, ich kann es nicht erfassen
und das Herz bleibt ungestillt!

Komm herab, du schöne Holde,
und verlaß dein stolzes Schloß!
Blumen, die der Lenz geboren,
schütt ich dir in deinen Schoß.
Horch, der Hain erschallt von Liedern,
und die Quelle rieselt klar.
Raum in der kleinsten Hütte
für ein glücklich liebend Paar."

Friedrich von Schiller - Hoffnung
Es reden und träumen die Menschen viel.
Von bessern künftigen Tagen;
Nach einem glücklichen, goldnen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.

Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben;
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf
Noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf.

Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirn des Toren;
Im Herzen kündigt es laut sich an:
Zu was Besserem sind wir geboren;
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.

Heinrich Seidel - Hänschen auf der Jagd
Hänschen wollte jagen gehn,
Hatte kein Gewehr,
Sah er einen Besen stehen:
Herz, was willst du mehr?
Hänschen ging voll Jagdbegier
Mit dem Besen aus;
"Mutter, einen Braten dir
Bring' ich bald nach Haus!"
Nun mit Jägerleidenschaft
Lief er in das Feld,
Und er schoß mit voller Kraft
Auf die ganze Welt!
Saß ein Häschen auf der Flur,
Hänschen machte: "Bumm!"
Häschen machte Männchen nur,
Aber fiel nicht um.

Saß ein Rabe auf dem Baum,
Hänschen machte: "Puh!"
Doch der Rabe, wie im Traum,
saß in guter Ruh'.
Hüpft ein Sperling an dem Weg,
Hänschen machte: "Paff!"
Doch der Sperling piepte frech:
"Hänschen, bist ein Aff!"
Hänschen nun verlor den Mut,
Zog ein schief Gesicht:
"Schießen tut die Flinte gut
Doch sie trifft ja nicht!"

Theodor Storm - Abseits
Es ist so still; die Heide liegt
Im warmen Mittagssonnenstrahle,
ein rosenroter Schimmer fliegt
Um ihre alten Gräbermale;
Die Kräuter blühn; der Heideduft
Steigt in die blaue Sommerluft.

Laufkäfer hasten durchs Gesträuch
In ihren goldnen Panzerröckchen.
Die Bienen hängen Zweig um Zweig
Sich an der Edelheide Glöckchen,
Die Vögel schwirren aus dem Kraut -
Die Luft ist voller Lerchenlaut.

Ein halbverfallen, niedrig Haus
Steht einsam hier und sonnbeschienen,
Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
Behaglich blinzelnd nach den Bienen;
Sein Junge auf dem Stein davor
Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.

Kaum zittert durch die Mittagsruh
Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
Dem Alten fällt die Wimper zu,
Er träumt von seinen Honigernten.
-Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit.

Theodor Storm - Rote Rosen
Wir haben nicht das Glück genossen
In irdischer Gelassenheit;
In Qualen ist´s emporgeschossen,
Wir wussten nichts von Seligkeit.

Verzehrend kam´s in Sturm und Drange;
Ein Weh nur war es, keine Lust!
Es bleichte Deine zarte Wange
Und brach den Atem meiner Brust.

Es schlang uns ein in wilde Fluten,
Es riss uns in den jähen Schlund;
Zerschmettert fast und im Verbluten
Lag endlich trunken Mund auf Mund.

Des Lebens Flamme war gesunken,
Des Lebens Feuerquell verrauscht,
Bis wir aufs neu den Götterfunken
Umfangend, selig eingetauscht.

David Friedrich Strauss - Aus dem Grabe
Indessen du voll Kummer
in deinem Bette gewacht,
lag ich in sanftem Schlummer
im Grab die erste Nacht.

Um mich, du mein Gefährte,
gräme dich nicht zu sehr;
o glaube mir: die Erde
ist keinem Guten schwer.

Des Tages banger Schwüle,
des Streites Lärm entrückt,
ach, wie mich hier die Kühle,
die Stille mich beglückt.

Es steigt fortan mein Wollen
in Bäumen schlank empor;
in Blumen, düftevollen,
bricht mein Gefühl hervor;

und sproßt vom Grabesboden
ein Lilienstengel auf,
den reich' ich von den Toten
dir, lieber Freund, hinauf.

Julius Sturm - Der Bauer und sein Kind
Der Bauer steht vor seinem Feld
und zieht die Stirne kraus in Falten:
"Ich hab' den Acker wohl bestellt
auf gute Aussaat streng gehalten,
nun sieh' mir eins das Unkraut an,
das hat der BÖSE FEIND getan!"

Da kommt sein Knabe hochbeglückt
mit bunten Blumen reich beladen,
im Felde hat er sie gepflückt,
Kornblumen sind es, Mohn und Raden.
Er jauchzt:"Sieh' Vater, nur die Pracht,
die hat der liebe GOTT gemacht!

Julius Sturm - Ohne Fleiß kein Preis
Keiner kann im leichten Spiel
dieses Lebens Preis erjagen;
fest ins Auge faß dein Ziel,
bis die Pulse höher schlagen
und sich dir an Fuß und Hand
wieder straff die Sehne spannt!

Und so wandere Schritt für Schritt
den Gefahren kühn entgegen;
hoch das Haupt und fest der Tritt
und im Herzen Gottes Segen,
auf der Stirn des Kampfes Schweiß,
so gewinnest du den Preis!

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