Gedichte nach Autoren mit dem Anfangsbuchstaben 'w':

Friedrich Wilhelm Weber - Alte Geschichten
Der Abend dämmert, es wirbelt der Wind
den Schnee von dem hohen Dache,
Großmütterchen sitzt am warmen Kamin
mit den Kleinen im warmen Gemache.
„Erzähl uns etwas, Großmütterlein!“ –
„Recht gern, ihr närrischen Dinger,
ihr müsst nur brav und bescheiden sein!“
Und mahnend hebt sie den Finger.

Dann fängt sie an: „Es war einmal ....“,
und die Kinder, sie lauschen und lauschen.
Sie hören das Bellen des Hofhunds nicht
und des Sturmes Zischen und Rauschen,
und nicht das Schlagen der Schwarzwalduhr
und der Stunde rasches Verrinnen.
Sie sitzen und horchen mit Mund und Ohr,
versenkt in Träumen und Sinnen.

Großmutter weiß der Geschichten viel
aus fernen vergangenen Tagen,
von Riesen und Zwergen, von Burgen, von Seen,
seltsame Märchen und Sagen;
von Nixen und Elfen, von Rübezahl,
Musikanten und Lumpengesindel,
und wie Dornröschen im Schlaf versank,
gestochen von giftiger Spindel.

Vom Weibe, das tanzt in feurigen Schuh’n,
von sieben Raben und Schwaben,
von Aschenbrödel und Drosselbart
und Hans, dem glücklichen Knaben;
von der großen Stadt, tief unter der See,
Vineta, der schlummernden Leiche,
auch wohl zum Schluß vom Meister Till
schalkhafte, lustige Streiche.

Großmutter weiß der Geschichten so viel,
als Blätter auf Büschen und Bäumen;
die Kinder lauschen mit Ohr und Mund,
versenkt in Sinnen und Träumen.
Und die kleine Marie – sie lächelt und schläft;
still wird es im trauten Gemache,
und der Wind schläft auch, und die Sterne steh’n
hell über dem hohen Dache.

Frank Wedekind - Erdgeist
Greife wacker nach der Sünde;
Aus der Sünde wächst Genuß,
Ach du gleichest einem Kinde,
Dem man alles zeigen muß.

Meide nicht die ird´schen Schätze:
Wo sie liegen, nimm sie mit.
Hat die Welt doch nur Gesetze,
Daß man sie mit Füßen tritt.

Glücklich wer geschickt und heiter
über frische Gräber hopst.
Tanzend auf der Galgenleiter
Hat sich keiner noch gemopst.

Julius Wolff - Wegewart
Es wartet ein bleiches Jungfräulein
den Tag und die dunkle Nacht allein
auf ihren Herzliebsten am Wege,
wartet am Wege, Wegewart!

Sie spricht: und wenn ich hier Wurzeln schlag'
und warten soll bis zum jüngsten Tag,
ich warte auf ihn am Wege,
warte am Wege, Wegewart!

Vergessen hat sie der wilde Knab',
und wo sie gewartet, da fand sie ihr Grab,
ein Blümelein spriesset am Wege,
spriesset am Wege, Wegewart!

Der Sommer kommt und der Sommer geht,
der Herbstwind über die Haide geht,
das Blümlein wartet am Wege,
wartet am Wege, Wegewart!

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